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»Die Stadt hat einen tollen Mix und besteht eben längst nicht nur aus Weindorf, Weihnachtsmarkt und Cannstatter Wasen«, sagt Orel, »sie ist lieblich, fast mediterran mit ihren Weinbergen und Hügeln – und mit Autotrassen zubetoniert«, fährt er fort, »sie ist traditionell, aber auch innovativ, sie hat eine hohe Lebensqualität, und gleichzeitig kann man hier prima Geld verdienen.« Dass in Stuttgart sogar Platz für Subkultur ist, wenn auch in Orels Augen viel zu wenig, führt er auf dem Gelände des verlassenen Nordbahnhofs vor. Nach den Silos eines Betonwerks tauchen ein paar alte Wagenhallen auf; von einer Dachkante lugt die Schnauze eines knallroten Käfers. In dem verfallenden Industriedenkmal stellen junge Künstler ihre Arbeiten aus, steigen Konzerte und Partys. ... Auf der anderen Seite der Innenstadt, im Heusteigviertel im Stuttgarter Süden, wächst zwischen erker- und türmchenbewehrten Gründerzeithäusern gerade ein kleines Szenequartier heran. Rund um die Olgastraße haben junge Kreative ihre Büros geöffnet. Aber auch so eine Institution wie der Hundesalon Kowalitis empfängt in einem schmuddeligen Hinterhof seit Jahrzehnten seine Kundschaft – Pudelporträts zieren die beige melierte Tapete. Die Épicerie fine verkauft französische Feinkost, bei Such & Find kann man nach altem Spielzeug stöbern, und den frisch gerösteten Kaffee trinkt man in Herbert’z Espressobar. »Ein klasse Umfeld für junge Leute, die was auf die Beine stellen wollen«, findet Dennis Orel. ... Jetzt drängt es ihn aber ins Waldhaus, ein gutbürgerliches Ausflugslokal auf dem Hasenberg, ebenfalls im Süden der Stadt. Dennis Orel braucht unbedingt Schweinerahmbraten und Spätzle. Die Panoramafenster mit Kippmechanismus umrahmen den gegenüberliegenden Fernsehturm. Günther Lemme ist nicht nur Wirt, sondern Dichter und Maler, und er serviert mit schwarzer Fliege. »Auch das ist Stuttgart«, sagt Orel und genießt es. Dann ist er schon wieder auf dem Sprung nach Berlin. Früher oder später, sagt er, werde er sicher nach Stuttgart zurückkehren. Frankfurter Neue Presse (4. Mai 2006) Scharfer Schweinebauch, das abgegriffene Schild zur Kehrwoche und der rosarote Flur vor dem Zimmer der Hure Sandra sind drei von 250 Motiven des Bildbandes »Stuttgart!«. Auch eine Drehbank bei Porsche, zersplittertes Glas auf dem Fliessenboden einer Brauerei und sonnengebräunte Senioren mit bizarren Badekappen haben Dennios Orel und Benjamin Tafel in ihr Fotobuch aufgenommen. Ihr Kamerablick auf die Stadt ist erfrischend ungewöhnlich, sie belichten leicht über und bhlitzen häufig. Weitere Motive: eine tätowierte Eisverkäuferin, ein Rentner mit Herrentäschchen auf dem Fernsehturm, der Frisörsalon Süßbrich und der Flohmarkt am Karlsplatz. Stuttgarter Nachrichten (18, April 2006) Ostfildern-Ruit - Scharfer Schweinebauch, das abgegriffene Schild zur Kehrwoche und der rosarote Flur vor dem Zimmer der Hure Sandra sind drei von 250 Motiven des Bildbandes "Stuttgart!". Auch eine Drehbank bei Porsche, zersplittertes Glas auf dem Fliesenboden einer Brauerei und gebräunte Senioren mit bizarren Badekappen haben Dennis Orel und Benjamin Tafel in ihr Buch aufgenommen. Ihr Blick auf die Stadt ist gänzlich eigen und anders. Sie wählen ungewöhnliche Ausschnitte, belichten leicht über und blitzen häufig. Eine dralle Eisverkäuferin ist ausweislich ihres so erhellten Flammentattoos ein "Bad Angel" (böser Engel). Ein Rentner mit schwarzem Herrentäschchen verschafft sich vom Fernsehturm einen Blick übers "Ländle". "'s Häusle" vom ersten Bundespräsidenten Heuss ist zu sehen, der Friseursalon Süßbrich und der Flohmarkt am Karlsplatz. Das Gespür der beiden Fotografen für den besonderen Blick schafft ein neues, erfrischendes Städteporträt.
Nach nur einigen Seiten ist es passiert. Der Betrachter möchte sich am liebsten gleich an den Ort begeben, den dieses Buch vorführt. Eigentlich unvorstellbar, handelt es sich doch um die Schwabenstadt Stuttgart. Und das Klischee besagt, dass hier die Spiessigkeit lebt wie die Made im Speck. Aber das war einmal. Stuttgart erhält derzeit eine Imagekorrektur, die nicht allein der Eröffnung des Mercedes-Benz Museums geschuldet ist. Auch nicht ganz unbeteiligt am neuen Ruf der ehemals Verpönten ist womöglich Stuttgart! – ein Bildband, der einen überraschenden Einblickins schwäbsiche Treiben gibt und, darüber hinaus problemlos als alternativer Reiseführer dienen kann ... |